Wenn eine Band im kurzlebigen Musikgeschäft auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken kann, hat sie entweder einen einzigartigen Stil zu kreieren verstanden oder sie ist immer in der Lage gewesen, sich stets neu zu erfinden.
In der Karriere von Sonja Kraushofer und Thomas Rainer spielen interessanterweise beide Erfolgskonzepte eine große Rolle. Bereits mit dem 1997 veröffentlichten Debütalbum „Lieder die wie Wunden bluten“ reflektierten die Österreicher (damals noch mit Hannes Medwenitsch, der nach dem 2002er Album „Als die Liebe starb“ die Band verließ) mit einem unterkühlt elektronischen Sound und einfühlsamen Texten (u.a. zwei Vertonungen von Georg-Trakl-Gedichten) perfekt das melancholische Lebensgefühl der Gothic-Szene. Mit „Life Will Never Be The Same“ schufen L’ÂME IMMORTELLE zudem damals schon eine eindringliche Hymne, die längst zu einem Klassiker avanciert ist.
Mit dem nachfolgenden Werk „… in einer Zukunft aus Tränen und Stahl“ nahm der deutschsprachige Textanteil zwar ab, doch musikalisch verfeinerten L’ÂME IMMORTELLE ihr Konzept und trafen mit ihren mal wütend-tobenden Industrial-Eskapaden und mal gefühlvollen Electro-Balladen voll den Nerv der schwarzen Szene. Und wieder war mit „Bitterkeit“ ein Hit vertreten, der früh deutlich machte, dass L’ÂME IMMORTELLE vor allem auch hervorragende Songwriter sind und szeneübergreifend Anerkennung einheimsen.
Nach diesem doch sehr harten, unversöhnlichen Werk demonstrierten L’ÂME IMMORTELLE mit „Wenn der letzte Schatten fällt“ (1999) mit den beiden Hits „Gefallen“ und „Stern“ verstärkt den ruhigen, andächtigen Aspekt ihrer musikalischen Seele und haben den vormals sehr rohen Electro-Sound atmosphärischer und runder produziert.
2001 erweiterten L’ÂME IMMORTELLE mit dem Album „Dann habe ich umsonst gelebt“ ihr Spektrum um vermehrt klassische Elemente, die mittlerweile aus dem Konzept der Band kaum noch wegzudenken sind.
“Wenn wir Bock auf einen Electro-Song hatten, haben wir Electro gemacht, und wenn wir Lust auf eine Ballade hatten, haben wir eine Ballade gemacht. Ich denke, viele Bands versuchen einfach zu fest, an einem Schema festzuhalten. Die sagen sich, wir haben jetzt eine Anhängerschaft, bestimmte Sachen dürfen wir da einfach nicht machen. Die haben Angst, ihre Fans, ihr Gesicht zu verlieren. L’âme Immortelle war dagegen von Anfang an als offenes Konzept gestaltet, und dadurch bewegen wir uns in einem Freiraum, um immer neue Elemente einbringen zu können“, hat Thomas einmal die offene Arbeitsweise in der Band beschrieben, die sich nachfolgend mit immer ausgefeilteren thematischen Konzepten auseinandersetzte. So stellte „Als die Liebe starb“ (2003) das Tagebuch einer zerbrochenen Liebe dar und wurde auch grafisch entsprechend und sehr aufwändig umgesetzt, so dass der Begriff Gesamtkunstwerk in diesem Zusammenhang sicherlich keine Übertreibung darstellt.
Mit dem darauf folgenden Labelwechsel zu GUN wurden die Weichen für Sonja und Thomas neu gestellt. Der Gastauftritt bei den neuen Labelkollegen OOMPH! auf deren Single „Brennende Liebe“ bescherte ihnen Aufmerksamkeit über den Tellerrand der Gothic-Szene hinaus, und das darauf folgende Album „Gezeiten“ (2004), das von namhaften Produzenten wie John A. Rivers (Dead Can Dance) und Rhys Fulber (Front Line Assembly, Paradise Lost) veredelt wurde, präsentierte die Band so rockig und expressiv wie nie zuvor. Die Hit-Singles „5 Jahre“, „Stumme Schreie“ und „Fallen Angel“ sprechen da für sich.
Ihr Magnus Opus haben L’ÂME IMMORTELLE schließlich im vergangenen Jahr mit dem Album „Auf deinen Schwingen“ abgeliefert. Wiederum auf konzeptionell geschlossene, aufwändig inszenierte Weise wurde das große Thema Liebe ebenso facettenreich wie kontraststark in einer faszinierenden Geschichte um Sehnsucht, Verlangen und Verzweiflung und in hitverdächtigen Tracks wie „Nur du“, „Phönix“ und „Du siehst mich nicht“ auch musikalisch entsprechend vielseitig umgesetzt.
Mit der vorliegenden „Best Of“ begeben wir uns mit L’ÂME IMMORTELLE nun auf eine spannende Zeitreise, die aus zehn Jahren Highlights aus jedem Album präsentiert, darüber hinaus aber auch einige exklusive Leckerbissen. So sind neben „Lass mich fallen“ (bisher nur exklusiv auf der Single „5 Jahre“ zu finden) auch zwei brandneue Bonustracks zu finden.
„Come Closer“ setzt den Crossover-Anspruch der Band nahtlos fort, vereint treibend-rockige Gitarren, ergreifende Piano-Harmonien und pochende Electro-Beats zu einer starken Club-Nummer und setzt einen paukenschlagartigen Schlusspunkt, der eindrucksvoll den Beginn einer neuen Dekade bei L’ÂME IMMORTELLE einläutet. Bei der Abschlussnummer „No Tomorrow“ die zart-zerbrechliche Piano-Melodie von kraftvollen Gitarren und schwelgerischen Geigen umgarnt, während Sonjas sehnsuchtsvoller Gesang die Emotionalität in der Musik von L’ÂME IMMORTELLE treffend auf den Punkt bringt.
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