
1. Euch gibt es nun schon seit 1999 und Bandmitglieder wechselten. Wie kamt Ihr damals auf den Bandnamen “HEAVY-CURRENT”?
Jan: Der Bandname entstand eher spontan. Er hat an sich keine große Bedeutung, irgendein Name braucht ja jedes Baby - unseres heißt eben HEAVY-CURRENT.
2. Wie habt Ihr Euch kennen gelernt und wie seid Ihr dann auf die Idee gekommen, Musik zu machen und somit ein gemeinsames Projekt ins Leben zu rufen?
Jan: HC ist meine erste und bisher einzige Band. Ich hatte vorher keine anderen Bands, weil ich keine Lust auf Kompromisse habe, die nunmal in einer demokratischen Band verlangt werden. Seit 2004 ist Nook als unser Drummer dabei und seit 2007 spielt Felix bei uns Gitarre und Cello. Kennengelernt haben wir uns durch unsere gemeinsamen Interessen, eine perfekte Fusion zwischen Elektronik und Rock zu finden.
3. Nicht nur Bandmitglieder wechselten, sondern auch Euer Musikstil. Oder vielleicht gerade deshalb? Erklärt uns doch einmal den Grund für den Wechsel vom elektronischen Stil zu dem mehr rockigeren.
Jan: Da HC ja ein Projekt ist, versuche ich mich nicht in Musikstilen und in Arbeitsweisen von Bandkollegen festzufahren, sondern versuche meine Kreativität frisch zu halten, indem ich viel ausprobiere. Im Großen und Ganzen stehen die Songs schon fest, wenn Felix und Nook sie als Demo bekommen, da ja alles im Rechner entsteht und fertiggestellt wird. Drums, Gitarren und Vocals sind die einzigen “unsynthetischen” Klangquellen die noch hinzukommen, jedoch selbst diese werden oft noch elektrifiziert - wir sind da ganz offen. Eigentlich sind wir nicht viel mehr Rock und nicht viel weniger Elektronik als früher.
4. Auf der EP “Ratrace” wurden acht Songs von unter anderem Kaos-Frequenz, Vani und Novastorm geremixed. Wie steht Ihr zu Remixes allgemein? Schließlich bearbeitet man da die Gefühle und Gedanken des Texters und nicht seine eigenen.
Jan: Ganz ehrlich, ich mag eigentlich keine Remixes. Das liegt eben an den Problemen, die Du da ansprichst. Es sind in erster Linie die Gefühle des Künstlers die man dabei total ausser acht lässt. Dass auf der RATRACE einige Mixes drauf sind, hat nur damit zu tun, weil ich die Files Leuten überlassen habe, deren Musik ich selber geil finde. Zum Beispiel EDACIOUS remixed von VaNi und Rebirth von Novastorm bringen genau mein Feeling wieder und das auf ihre Art eben. Natürlich haben wir uns selbst auch an älteren Tracks versucht, Felix hat sich an Meaning mit einer sphärischen Neumischung gewagt und ich hab, da ich durch den IMATEM-Mix schon in Übung war, das DBN noch mal renoviert.
5. Und was bedeutet eigentlich “Ratrace” genau? Was dürfen wir uns darunter vorstellen?
Jan: RATRACE bezeichnet den Zustand des Rennens im Hamsterrad. Im übertragenen Sinne geht’s um den Alltag und um die Verschwendung der Lebenszeit durch Dinge, die uns kaputt machen. Wir Menschen versuchen natürlich gegenzusteuern, indem wir uns mit Konsum zuschütten - quasi als Glücksersatz. Aber es lenkt nur davon ab, dass man grundsätzliche Dinge ändern muss, um glücklich zu sein. Das endlose Warten auf das, was das Leben noch bringen soll, ist nur das endlose fallen, ohne dass man fliegen kann.
6. “Ratrace” ist quasi “nur” ein Vorbote für das Album “Push The Fire”, was Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Was hat uns nächstes Jahr zu erwarten?
Jan: Ein selbstproduziertes geiles Album.. ;)
RATRACE soll die Nahtstelle zwischen der EDACIOUS und PUSH THE FIRE sein und zeigt, dass wir uns einfach weiterentwickeln, ohne uns an Stilen festzulegen. PUSH THE FIRE wird punkiger, trashiger, elektronischer, aber auch organischer und nachdenklicher daher kommen. Wir wollen eben nicht erwachsen werden… ! ;)
Seid gespannt!
7. Wie schon erwähnt bringt ja jeder Texter seine Gefühle und Gedanken mit in seine Songs. Wie entstehen Eure Lyrics? Verarbeitet Ihr private Ereignisse in Euren Songs?
Jan: Die Themen sind an sich alle privat, da es ja um meine Sicht der Dinge geht. Meist entstehen Texte aus Situationen, die ich bei anderen oder bei mir beobachte. RATRACE zum Beispiel, ist nach einem Gespräch mit einem Bekannten entstanden, der mir seinen Tagesablauf schilderte. Daraufhin versucht man sich zu analysieren und stellt mit Erschrecken hier und da Parallelen fest. Naja, man kann Zustände auch erst dann ändern, wenn man diese erkennt.
8. Werdet Ihr dann wieder auf Tour gehen oder ist die jetzige Tour eine Art Vorab-Tour zum kommenden Album?
Jan: Ja, kann man als Vorab-Tour sehen, da wir während der Gigs unser neues Material antesten werden. Geplant ist es von unserer Seite aus, dass wir nach dem Release vom Album 2009 noch eine Tour machen.
9. Wie ist es für Euch, live auf der Bühne zu stehen? Welche Gefühle machen sich vor und während eines Konzertes breit und habt Ihr auch manchmal Lampenfieber?
Jan: Da ist es wohl bei fasst allen Künstlern ähnlich, die sich, oder ihre Werke präsentieren. Bei mir äussert sich das in einer konzentrierten Angespanntheit - obwohl ich es immer ganz locker angehen will ;)
Ansonsten fühl ich mich auf der Bühne am wohlsten, da ich dort das machen kann, was ich am besten kann - Musik machen eben.
10. Ihr seid ja nun für eine Weile auf Tour und habt keinen Tag Pause. Kommt da dann allmählich die Routine oder ist doch jeder Auftritt und jede Stadt was Besonderes? Und welche Erwartungen habt Ihr an dieser Tour?
Jan: Da das unsere erste Tour sein wird, kann ich noch nicht viel erzählen, wie wir uns verhalten werden. Wenn Sex zu einer Routine-Aktion wird, ist es schlechter Sex - naja, bei Konzerten ist es dann ähnlich. ;)
Ansonsten erwarten wir eigentlich nur, dass wir unser Bestes geben und ‘ne menge Spaß haben werden.
11. Was bedeutet Musik für Euch und welche Musik hört Ihr privat zu Hause?
Jan: Was bedeutet einen Maler wohl das Bild…? Ich lebe für Musik und ich bin dankbar Musik machen zu dürfen und zu können! Es ist ein schönes Gefühl, ständig auf der Suche nach dem perfekten Song zu sein und zu wissen, man kommt immer ein Stück näher und man wird ihn dennoch nie finden. Privat höre ich viele elektronische Sachen, wie zum Beispiel Björk, Emelie Simon, IAMX, Prodigy, The Knife, Alec Empire - aber auch NIN, Bowie, Muse, die halt meine rockigere Seite abdecken, naja und noch tausend andere, die mir jetzt nicht einfallen.
12. In der heutigen Zeit ist es aufgrund von illegalen Downloads mit Sicherheit schwer geworden, sich zu motivieren überhaupt noch CDs heraus zu bringen. Oder wie seht Ihr das?
Jan: Klar schaden Downloads, die illegal zur Verfügung gestellt werden, dem Künstler, weil er einen großen Teil seines Lebensunterhaltes einbüsst, aber auf der anderen Seite werden Newcomer so am besten verbreitet. Auf einer russischen Website habe ich gesehen, dass 2 Wochen nach dem EDACIOUS-Release, die Platte ca 5000 geladen wurde - fand ich mehr oder weniger ok. Klar wären mir 5000 verkaufte Platten lieber, aber man muss alles ein wenig relativieren, denn in erster Linie ist es mir wichtig überhaupt gehört zu werden.
Klar sind wir motiviert CD’s rauszubringen, jedoch arbeiten wir mit unserem Label Sonorium an neueren Vertriebsformen, wie zum Beispiel Download-Shops. Unsere RATRACE-EP ist der erste ausschliesslich virtuelle Tonträger, sprich RATRACE wird es nur bei deinem Download-Shop des Vertrauens geben.
13. Mit welchen drei Worten würdet Ihr HEAVY-CURRENT selbst beschreiben?
Jan: Enjoy with headphones! (Anm. d. R. Steht übrigens auf jeder CD von HEAVY-CURRENT)
14. Wenn Ihr in Eurer Freizeit mal in Clubs oder auf Festivals unterwegs seid, was hat sich da im Gegensatz zu Eurer Jugend, Euren ersten Clubgängen, alles geändert?
Jan: Ja, einiges! Die Qualität und Professionalität der Veranstaltungen hat sich stark verbessert. Es finden mehr Konzerte statt, der Sound ist meistens super… Die Kehrseite ist, dass der Charme des kleinen Clubs fast weg ist, denn es gibt diese kleinen Clubs immer seltener, jedoch dafür immer größere Tanzpaläste. Ausserdem bemerke ich einen Hang zur Schnelllebigkeit und unkritischer Oberflächlichkeit. Aber wenn mal Zeit da ist, geh ich gern mal gucken, was in den Clubs grad los ist.
15. Letztendlich interessiert mich noch eines: Wo seht Ihr Euch in zehn Jahren?
Jan: In zehn Jahren? Keine Ahnung.. hab mir auch nie ein Kopf drüber gemacht und werd ich wohl auch nicht, zu viel zu tun.
Vielen Dank für das nette Interview. Die letzten Worte überlasse ich nun Euch…
Jan: Vielen Dank für das Interesse und locker bleiben, so schlimm ist es gar nicht! ;)
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