
Einen gewissen Bekanntheitsgrad dürfte Martin Schindler in unserer Szene wohl schon erreicht haben, denn Bands wie MANTUS oder auch SEPIA sind so manchem unter uns ein Begriff. Doch wer meint, dass das Kölner Geschwister-Paar mit Black Heaven ein weiteres metallastiges Projekt am Start hat, der liegt vollkommen falsch. Wo der Keim entstammt, ein Projekt ans Tageslicht zu locken, welches stil-technisch gesehen in eine komplett andere Richtung schweift und was die beiden sonst noch so bewegt, dazu haben wir Martin einmal für Euch ins Kreuzverhör genommen.
01. Hallo Martin, zunächst einmal recht herzlichen Dank dafür, dass Du Dir heute Zeit dafür nimmst, Dich von uns ein wenig ausquetschen zu lassen. Am besten wäre es, wenn Du Dich unseren Lesern/Hörern zunächst einmal kurz vorstellt.
Martin: Hallo, ich bin Martin Schindler und ich mache die Projekte Black Heaven, SEPIA und Mantus. Ich wohne in Köln, wo ich auch mein eigenes Studio habe und generell werden hier auch alle Alben produziert.
02. Eigentlich sollte Euer nunmehr sechstes Studioalbum ”Negativ” am 12.09.2008 erscheinen. Aus welchem Grund hat sich die VÖ verschoben?
Martin: Leider gab es Probleme bei der Pressung der CD. Das ging sogar soweit, dass die erste Pressung komplett im Müll landen musste. Wir konnten den Termin zum 12.09. also keineswegs einhalten und somit wird die CD erst am 26.09.2008 erscheinen und ich hoffe, die Fans werden es uns ein bisschen nachsehen.
03. Okay, dann fangen wir doch einmal ganz von vorne an: Wie und vor allem wann bist Du eigentlich zur Musik gekommen?
Martin: Mit dem Musikmachen habe ich ca. 1997 angefangen. Damals noch mit einem alten Vier-Spur-Recorder. Parallel dazu war ich sehr literarisch interessiert, habe viele Gedichte, Romane und auch Bücher geschrieben. Das erste Demo habe ich ca. 1999 fertig gestellt und jenes direkt an eine Plattenfirma geschickt. Diese war sehr begeistert, so dass ich im Jahr 2000 das Debüt-Album von Mantus
”Liebe und Tod” herausbringen konnte. Der Startschuss von Black Heaven war im Jahr 2001. Dieses Projekt habe ich ins Leben gerufen, weil bei diesem eher die elektronischen Elemente im Vordergrund sein sollten. SEPIA kam im Jahr 2005 hinzu, als wir Mantus aufgelöst hatten. Ich hatte einfach den Drang verspürt, noch einmal etwas Rockigeres zu machen und vor allem auch deswegen, weil ich mit einer Band zusammenspielen wollte, die kein reines Studio-Projekt sein sollte, sondern eines, wo man auch einmal nach Außen dringt.
04. Und warum hast Du Deine musikalische Hingabe ausgerechnet der Schwarzen Szene gewidmet?
Martin: In erster Linie ist Musik für mich ein Ausdruck von Gefühlen, deshalb war es für mich auch keine so bewusste Entscheidung in der Schwarzen Szene Musik zu machen oder mich dort zugehörig zu fühlen. Allerdings kann man die Musik, die ich mache generell als Gothic bezeichnen, weil auch die Leute und die Fans mir immer wieder zeigen, dass sie mit der Musik etwas anfangen und sich in den Texten selbst wieder finden können. Das sind schöne Erfahrungen, die man macht und deshalb bereue ich es nicht, in dieser Szene aktiv zu sein und mich da auch zu Hause zu fühlen.
05. Du hast ja neben Black Heaven noch ein weiteres Projekt am Start: Sepia - der Nachfolger von MANTUS. Was charakterisiert Black Heaven und was SEPIA? Gibt es neben dem eindeutigen musikalischen Unterschied verschiedene Prinzipien?
Martin: Es gibt zwei grundsätzliche Unterschiede, die die beiden Bands charakterisieren. Zum einen ist Black Heaven prinzipiell elektronisch ausgelegt, was heißen soll, dass das Grundgerüst immer sehr elektronisch ist, ganz egal ob zum Beispiel auch einmal Gitarren oder andere Elemente einfließen. Sepia ist grundsätzlich handgemacht. Die Musik entsteht immer aus einem Bandgefüge heraus und davon beginnt die Musik zu leben.
06. Was möchtest Du mit den jeweiligen Bandnamen ausdrücken und wie bist Du auf diese gekommen?
Martin: Generell ist mir bei den Bandnamen immer wichtig, dass der entsprechende Name die Atmosphäre der Musik einfängt und vielleicht auch wiedergeben kann. Die beiden Namen SEPIA und Black Heaven sind doch eher als Metaphern zu verstehen. Bei SEPIA: Sepia-Farben, Sepia-Effekte, was ein Farbspektrum aus rot, schwarz und bräunlich ergibt. Man kennt das vielleicht auch von alten Fotos. Da sagt man ja auch „Sepia-Effekt“. Das verkörpert etwas Schwermütiges, Melancholisches und die Musik soll das eben auch widerspiegeln.
Bei Black Heaven ist es einfach die Metapher von einem schwarzen, leeren Himmel. Und das verkörpert diese Musik: Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und auch Gottlosigkeit.
07. Beschreibe uns doch einmal Black Heaven, MANTUS und SEPIA mit jeweils drei Adjektiven.
Martin: Das ist schwierig … aber ich versuche es einmal:
Also Mantus in drei Worten: romatisch, düster und zerbrechlich; bei Sepia: kraftvoll, dunkel und schwer.
Und bei Black Heaven würde ich sagen: modern, melancholisch und auch melodiös.
08. Und woher entstammt die Idee aus einer Hand musikalisch so unterschiedliche Projekte zu fabrizieren?
Martin: Meiner Meinung nach gibt es unterschiedliche Menschen und auch unterschiedliche Künstler. Manche fühlen sich innerhalb eines Bandgefüges wohl und können darin voll aufgehen und sich ausleben. Bei mir ist es so, dass ich generell ein introvertierter Mensch bin und auch sehr viele Eigenschaften eines Einzelgängers an mir habe. Deshalb ist eine Art Bandgefüge für mich immer relativ schwierig. Wenn man Songwriting und Produktion alleine macht, hat es eben auch Vorteile. Ich kann meine eigenen Visionen umsetzen, kann die Dinge so machen, wie ich sie mir vorstelle, bin auch allein verantwortlich für das, was ich tue… Für mich ist das einfach der richtige Weg und es hat sehr viele Vorteile für mich.
09. Welche der Bands ist bis dato die erfolgreichste und woran liegt das Eurer Meinung nach?
Martin: Die erfolgreichste Band bisher, wenn man allein nach den Verkaufszahlen geht, ist Mantus gewesen. Mantus ist der Ursprung meines ganzen musikalischen Schaffens. Mantus war für uns immer etwas ganz Besonderes. Wir haben uns getraut, Gefühle auszudrücken, wir haben uns auch getraut kitschig und romantisch zu sein und das wollten viele Leute einfach auch hören - eben Musiker die sich auch einmal trauen, so etwas zu machen und die zudem noch zu ihren Gefühlen stehen und dies auch dementsprechend ausdrücken können. Dadurch wird solch ein Projekt erst ehrlich, echt und auch direkt und wenn sich damit zudem noch viele Leute identifizieren können, vor allem auch mit den Texten. Mantus war stark auf die Texte ausgelegt. Das ganze haben wir mit sehr melancholischer Musik kombiniert. Davon haben sich die Leute angesprochen gefühlt und deshalb war die ganze Sache wohl auch sehr erfolgreich.
10. Du bist beliebt und wirst geschätzt zugleich für Deine tiefsinnigen und expressiven Texte. Wo liegt der Keim solcher Inhalte? Sind sie aus dem eigenen Leben gegriffen und verarbeitest Du so eventuell persönliche Ereignisse?
Martin: So gut wie alles, was in meinen Texten vorkommt, habe ich selbst durchlebt oder zumindest selbst durchdacht. Dafür braucht man eine gewisse Sensibilität gegenüber dem Leben und auch der Welt an sich. Oft verarbeite ich abstrakte Gefühle in den Texten. Meine Texte sind generell sehr abstrakt, einfach weil ich Themen wie Einsamkeit, Angst, Hass, Liebe, eben diese ganzen essentiellen Gefühle, verarbeiten möchte. Das ist mir wichtig und hat alles auch einen sehr persönlichen Hintergrund. Und gerade dadurch wird eine Sache erst echt, eben weil man einfach weiß, wovon man redet und was man eigentlich ausdrücken will. Es entstehen praktisch gesehen Gesamtkunstwerke. Die Musik ist von mir, die Texte sind von mir. Und im Endeffekt hat man etwas Gesamtes und auch Zusammengehöriges. Das ist wohl auch das, was diese Musik letztendlich ausmacht und was die Leute auch zu schätzen wissen.
11. Welche Messages verbergen sich hinter den Texten?
Martin: Das kann man im Ganzen gesehen gar nicht beantworten, da die Texte zu individuell sind. Bei mir gibt es wenige Texte mit ganz konkreten Inhalten, mit welchen ich auf Missstände hindeuten möchte oder spezielle Dinge, die mir am Herzen liegen, welche ich einfach verarbeiten möchte. Im Ganzen habe ich sehr viele philosophische Inhalte. Ich möchte mich mit dem Leben, den Menschen an sich und natürlich auch mit mir selbst auseinandersetzen. Das ist mir wichtig. Das ist mit einer der Gründe, weshalb man eigentlich Musik macht, weil man sich eben auch selbst genauer kennen lernen möchte, man möchte Dinge verarbeiten usw.
Ich habe es mir auch selbst zur Aufgabe gemacht, mich mit den dunklen und unschönen Seiten des Lebens auseinanderzusetzen und das eben auch in den Texten zu verarbeiten.
12. Wen möchtest Du mit der Musik von Black Heaven ansprechen?
Martin: Ganz egal bei welchem Musikprojekt, ich male mir vorher eigentlich nicht aus, welche Leute ich damit ansprechen möchte oder welche Zielgruppe ich haben könnte. Black Heaven ist elektronisch geprägt und da ist es natürlich so, dass es eher die Leute ansprechen wird, die diesem Genre gegenüber auch aufgeschlossen sind.
13. Erkläre uns doch einmal das Songentstehungskonzept von Black Heaven? Wird erst der Text geschrieben und dann komponiert oder genau anders herum?
Martin: Mittlerweile ist es so, dass ich erst die Musik schreibe und später der Text entsteht. Oft passiert es einfach so, dass ich am Computer, am Klavier oder an der Gitarre mit Songstrukturen experimentiere und schaue, welche Melodien sich ergeben und was dabei herauskommt. Und sobald ich irgendetwas habe, was mir gefällt, was mich anspricht, habe ich automatisch Textzeilen oder ein passendes Thema im Kopf, welches ich gerne umsetzen möchte. Also generell ist es so, dass zuerst die Musik entsteht und dann der Text hinzukommt.
14. MMVIII bedeutet 2008, wenn ich mich noch recht an das einst Gelernte in der Schule erinnere. Und warum benennt man ein Intro nach einer Jahreszahl? Denkbar wäre, dass in diesem Jahr etwas Besonderes vorgefallen ist…
Martin: Diese Intro bedeutet im Grunde nichts weiter als die Jahreszahl 2008. Da gibt es gar nichts so Tiefsinniges zu verstehen. Es ist wirklich als reines Intro, als Einleitung zu erkennen, für das Black Heaven – Album im Jahr 2008. Das Intro soll die Atmosphäre einfangen und wiedergeben.
15. Songs wie „Violent acts of hate“ oder auch „Decadence“ weisen eindeutig Clubtauglichkeit auf. Wie kommt die Musik Deiner Meinung nach in den Clubs an?
Martin: Aus den Erfahrungen der letzten Jahre heraus muss ich sagen, dass wir eigentlich keine typische Clubmusik machen. Auch mit Black Heaven nicht, wo man vielleicht eher denken könnte, dass es aufgrund der elektronischen Prägung Clubmusik ist. Manchmal ist es sogar tanzbar, aber wirklich nicht immer. Es kommt vor, dass vereinzelte Stücke von mir immer wieder gespielt werden; zum Beispiel der Song „Kleiner Engel, flügellos“ von Mantus, wird in den Clubs gespielt. Von Black Heaven wurde vom letzten Album „Babylon“ sehr häufig gespielt. Für mich ist es natürlich schön, wenn die Leute auf die eigene Musik tanzen. Und ich hoffe mit dem neuen Album wird es bei dem ein oder anderen Song auch so sein. „Violent acts of hate“ könnte ich mir zum Beispiel sehr gut als Clubsong vorstellen. Dieser „bedient“ dann auch entsprechend die Leute.
Aber im Ganzen mache ich eigentlich mehr nachdenkliche und auch eher ruhigere Musik, obwohl es hin und wieder auch tanzbar ist, aber ob das so für die Clubs geeignet ist, wird sich zeigen.
16. Warum ist das neue Album mit dem Titel ”Negativ” benannt worden? Dafür gibt es doch bestimmt auch eine Erklärung?
Martin: Das neue Black Heaven Album ist in erster Linie ein philosophisches Album. Ich habe es „Negativ“ genannt, sozusagen als Oberbegriff für eine komplette Weltsicht, eine Lebenseinstellung, die sich darin widerspiegelt. Das ganze ist mit Sicherheit ein komplexes Thema, worüber man lange reden und auch diskutieren kann. Und selbst bei „Negativ“ habe ich es nicht geschafft, die ganze Tragweite einzufangen, welche dieses Thema eigentlich bietet. Man bekommt schon eine Ahnung, welche Dinge mir dabei wichtig sind und worauf es mir ankommt. Den Begriff ”negativ” habe ich auch gewählt, weil er sich bewusst von religiösen Ansichten und auch der aktuell vorherrschenden Lebenseinstellung unseres Kulturkreises absetzt. Mir persönlich geht es um die Wahrheit, die in uns selbst und im Wesen der Welt verborgen liegt. Diese darf man meines Erachtens nicht verleugnen bzw. muss man sich dieser bewusst werden, um daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen zu können. Der Begriff ”negativ” hat somit auch nichts mit Lebensverneinung oder Ähnlichem zu tun, sondern ist eher gegenteilig gemeint: Dass man sich zum Leben und den eigenen Ursprüngen bekennt. Darum geht es mir.
17. ”War atrocities” ist eindeutig härter, gitarrenlastiger und bringt auch gesangstechnisch eine gehörige Prise an Aggressivität mit. Bewusst?
Martin: Bei „War atrocities“ geht es um Krieg, wie der Name schon sagt. Es geht auch um Härte und Aggression und aus diesem Grund ist der Song auch genauso wie er sein muss: Er muss einfach das Raue des Krieges widerspiegeln. Bei diesem Song geht es im Allgemeinen darum, dass Krieg nach wie vor mit das Schlimmste ist, was es auf dieser Erde überhaupt gibt. Das sollte den Menschen immer bewusst sein. Es mag ja sein, dass Krieg und Auseinandersetzungen zur menschlichen Natur dazu gehören, aber für mich gibt es keinen Grund, diese Dinge zu verherrlichen oder dem gegenüber irgendeine Toleranz zu verspüren.
18. Welches ist Deiner Meinung nach DER Song auf ”Negativ”, welcher am besten gelungen ist?
Martin: Das kann ich leider nicht beantworten. Das liegt wohl daran, dass man als Künstler selbst gar nicht so viel Abstand hat, um das eigene Album entsprechend zu beurteilen. Ich denke alle Songs auf dem Album haben ihre Berechtigung und ich hoffe, das sehen die Fans genauso.
19. Wenn man sich die Diskografie von Black Heaven anschaut, so ist regelmäßig alle Jahre wieder ein Album entstanden, außer 2005 und 2006. Gibt es bestimmte Gründe dafür?
Martin: Der Grund dafür war einfach die Veränderung in dieser Zeit, die ich sowohl persönlich als auch musikalisch durchgemacht habe. Es war die Zeit, in der ich MANTUS aufgelöst und SEPIA gegründet habe, also Anfang 2005. Black Heaven berührt das zwar nicht unmittelbar, denn es war so, dass ich immer wieder neue Songs geschrieben und am Album-Konzept gearbeitet habe. Doch auch mit Black Heaven habe ich zu dieser Zeit einen neuen Label-Vertrag gemacht und da kann es schon vorkommen, dass es sich ein bisschen hinzieht. Direkt geplant war es nicht. Es hat sich eben so ergeben und einen speziellen Grund gab es dafür auch wirklich nicht.
20. Hast Du die Musik eigentlich zu Deiner Berufung gemacht? Oder gibt es noch andere Einnahmequellen?
Martin: Eine zeitlang habe ich von der Musik gelebt und da hat das alles auch ganz gut funktioniert. Doch gerade jetzt in der aktuellen Situation wird es immer schwieriger von der Musik zu leben. Mir geht es nicht unbedingt um das Geldverdienen, denn das Künstlerische steht bei mir an erster Stelle. Aber mit Sicherheit wünscht sich jeder Künstler, von seiner Kunst, von seiner Musik leben zu können. Schön wäre das schon, wenn das wieder klappen könnte.
21. Hast Du musikalische Vorbilder?
Martin: Nein, nicht mehr. Vielleicht bin ich einfach schon zu lange dabei, um noch Vorbilder zu haben. Ich habe durchaus Bewunderung für verschiedene Künstler, aber Vorbilder direkt gibt es nicht mehr.
22. Musik ist …
Martin: … für mich in erster Linie Ausdruck von Gefühlen. Und wenn ich es auf meine eigene Musik beziehe, dann ist Musik für mich auch persönliche Wahrheit.
23. Welche Musik hörst Du eigentlich privat?
Martin: Privat bin ich relativ vielseitig. Ich höre von Elektro über Gothic bis Metal verschiedene Arten von Musik. Mittlerweile ist es so, dass ich selten ganze Alben durchhöre. Ich stelle mir lieber meine eigenen Songs zusammen. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen. Die neue ”Katatonia” zum Beispiel finde ich ganz fantastisch. Und dann gibt es da noch Sachen wie „In flames“ oder „Eisheilig“ … So etwas höre ich ganz gern.
24. Mit welchen Musikern würdest Du gern einmal zusammen arbeiten?
Martin: Es gibt da schon einige, mit denen ich schon gern einmal zusammenarbeiten würde. Wenn ich es mir wünschen könnte, so wären es NIN, oder auch Björk, vor allem wegen ihrer Stimme. Und da gibt es natürlich auch noch einige andere.
25. Inwieweit fließen aktuelle Geschehnisse in Eure musikalische Zielrichtung und vor allem auch Euren musikalischen Stil mit ein?
Martin: Es kommt ganz selten vor, dass ich reaktionär auf etwas anspringe. Die Musikstile in den beiden Projekten bleiben sich immer sehr, sehr treu. Es kristallisiert sich immer eine eigene Linie heraus. Ich lasse mich zwar gerne von verschiedenen Sachen und auch von verschiedenen Musikstilen inspirieren, aber direkt auf das aktuelle Geschehen reagiere ich nicht.
26. Und was sagen Deine Eltern zu Deiner musikalischen Laufbahn? Wie kommt die Musik bei Ihnen an?
Martin: Einen Vater habe ich nicht und meine Mutter akzeptiert das, was ich tue und unterstützt mich sogar teilweise. Natürlich ist es so, dass die Eltern lieber wollen, dass der Sohn Arzt oder Anwalt wird. Ich bin eben Musiker geworden und habe keine abgesicherte Zukunft, aber mittlerweile ist es so, dass sie es akzeptiert und wie schon gesagt, sogar auch unterstützt.
27. Mittlerweile Bist Du schon einige Jahre in der Szene unterwegs. Was hat sich Deiner Meinung nach in der Szene geändert?
Martin: Ich glaube, inzwischen hat sich sehr viel in der Schwarzen Szene verändert. Bei mir ist es nach wie vor so, dass ich mich in der Gothic-Szene generell zu Hause fühle, gerne unterwegs bin und auch Musik in dieser Richtung mache.
Was sich geändert hat: Es ist dieser Individualismus, der sich in die Szene eingeschlichen hat. Jeder möchte etwas ganz Besonderes darstellen. Die Leute sind gar nicht mehr wirklich ‘’schwarz”. Es gibt kein ‘’schwarzes Grundgefühl” mehr, sondern jeder möchte etwas Eigenes darstellen und manchmal hat es eher etwas mit Karneval und Love-Parade zu tun, weil der Fokus so auf die Äußerlichkeiten gelegt wird, dass das eigentliche Lebensgefühl dahinter verloren geht. Gothic ist für mich mehr als einfach nur eine Jugendkultur oder eine Szene wie jede andere auch. Für mich steckt wesentlich mehr dahinter. Ich würde mir manchmal einfach nur wünschen, dass die Leute nicht einfach nur in ihren Illusionen leben, sondern das alles als Ganzes betrachten würden und eben auch das Lebensgefühl in sich tragen wollen.
28. Wenn man sich die Verkaufszahlen von Bands (egal ob bekannt, oder Newcomer) einmal genauer anschaut, dann könnte man direkt darauf losheulen. Dieses Problem ist wohl nach wie vor auf Raubkopiererei zurückzuführen. Wie motiviert man sich als Musiker unter den genannten Umständen überhaupt noch Musik zu machen?
Martin: Die aktuelle Entwicklung ist sehr, sehr tragisch für Musiker und auch für Bands. Mich ärgert das maßlos. Wenn man einmal die Hörer, die man hat, mit den Verkaufszahlen, die man vorweisen kann, vergleicht, stimmt da doch schon irgend etwas nicht! Ich glaube, in den letzten Jahren wurden einfach sehr, sehr viele Fehler gemacht, gerade von Seiten der Industrie. Aber damit muss man jetzt erst einmal leben. Für mich persönlich spielt es keine ganz so große Rolle. Es ist für mich (wie schon gesagt) wichtig künstlerisch tätig zu sein, denn darin sehe ich einfach meine Bestimmung. Und ich werde es auf jeden Fall auch weiter machen, ganz egal, ob ich davon leben kann oder auch nicht. Man muss die Leidenschaft aufbringen können, um das zu machen, was nötig ist, um Künstler und Musiker zu sein. Dazu brauche ich keine Motivation wie eine „goldene Schallplatte“. Ich muss mich in der Hinsicht nicht bestätigt fühlen. Das mache ich auf eine andere Weise. Aber natürlich ist es noch immer so, dass man als Künstler und auch als Musiker wertgeschätzt werden möchte und das ist bei unserem heutigen Zeitgeist ziemlich verloren gegangen, was natürlich auch mit dieser ganzen Sache zusammenhängt.
29. Und nun schweifen wir einmal gen Zukunft: Worauf dürfen sich die Fans als nächstes freuen?
Martin: Also in Zukunft darf man sich noch auf viele Sachen freuen. Wir haben auch entsprechende Pläne für die Zukunft gemacht, aber leider kann ich momentan noch nicht ganz so viel dazu sagen. Man darf sich also einfach überraschen lassen ;)
30. Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du Dir von Herzen wünschen?
Martin: Drei Wünsche ….. Also mein erster Wunsch wäre, von der Musik leben bzw. mich künstlerisch auch voll ausleben zu können. Mein zweiter Wunsch wäre vielleicht, ganz allgemein, einfach nur glücklich zu sein und da gehört noch ein bisschen mehr dazu als nur die Musik. Zum Beispiel, dass man eben auch in der Liebe glücklich ist, dass man für sich ein zu Hause gefunden hat. Der dritte Wunsch wäre der bescheidene Wunsch von einer kompletten Neuordnung der Welt.
31.Vielen Dank für das nette und aufschlussreiche Interview. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Musizieren.
Die letzten Worte überlasse ich einfach mal Euch. Vielleicht brennt Euch ja noch etwas auf der Seele, was Ihr schon immer einmal loswerden wolltet?
Martin: Auch ich bedanke mich für dieses Interview und soviel bleibt mir eigentlich gar nicht mehr zu sagen, außer dass ich gespannt bin, wie das neue Album ankommen und wie es den Fans gefallen wird.
Ähnliche Themen:
187 Mal gelesen










