
EISHEILIG legen mit „Auf dem Weg in deine Welt“ ein mutiges viertes Album vor, das die Band weg von meterhohen Gitarrenwänden hin zu luftigeren Sounds führt.
So entpuppt sich „Auf dem Weg in deine Welt“ als erwachsenes Album, das zu großen Teilen wieder von Frontmann Dennis Mikus komponiert und im Bochumer Studio Mohrmann in der gewohnten Arbeitsumgebung aufgenommen wurde. Produziert hat die zehn Songs erneut Dennis’ Vater Heimi Mikus, seines Zeichens Ex-Sänger von Risk und Faithful Breath, dessen Erfahrung und musikalisches Gespür die Band seit jeher schätzt, und der sein Fachwissen mittlerweile alleinig in den Dienst von EISHEILIG stellt. Auch stilistisch präsentieren sich EISHEILIG deutlich gereift, denn „Auf dem Weg in deine Welt“ klingt nach wie vor melancholisch und schwer, dabei aber rockiger und gleichzeitig auch ruhiger als das massive „Elysium“.
In den warmen Dark-Rock-Sound der Band eingeflochten wurden erstmals auch neuartige Einflüsse, die an Sigur Ròs, die ruhigen Momente von Opeth, Muse oder Porcupine Tree erinnern. Bedingt ist dieses vielschichtigere, verspieltere und mit mehr Tiefe gesegnete Album auch durch die Freude an organischen Gitarrenklängen, dem Einsatz analogen Equipments aus den 70er Jahren sowie spacigen Effekt-Gitarren im Hintergrund. Passend dazu singt Dennis höher, weicher und nicht mehr ganz so „deutsch“ – soll heißen, dass die harte Aussprache vergangener Alben zugunsten eines melodischeren Flusses und dem Spaß an Gesangsexperimenten gewichen ist.
Der programmatischste Song des Albums ist zweifelsohne der komplexe und abwechslungsreiche Opener „Wir leben“, fasst er doch die neuen musikalischen Einflüsse der Formation treffend zusammen. So stellen die Glocken im Refrain eine Verbindung zu alten Eisheilig-Nummern her, wohingegen 70er-Jahre-Riffs und ruhige Parts samt Hammond-Orgel-Einsatz stellvertretend für die neue Seite der Formation stehen. Ganz anders „Kein Land in Sicht“, das als geplante Radio-Single durchaus das Potential hat, eine große Hörerschaft fernab von Gothic, Metal und Wave anzusprechen. An einem Pop-Song haarscharf vorbei schlittert schließlich auch „Wird alles gut“, das angenehm atmosphärisch, weit und schwermütig wirkt und zugleich eine wohltuende Größe ausstrahlt. So lässt sich die aktuelle Entwicklung der Band am besten mit dem Satz resümieren: „Weg von der Düsternis des ‚Elysium’ Albums hin zu mehr Melancholie, Weite und Ruhe“. Auf dass dieses Album viele Menschen wachrütteln und berühren möge!
(Sascha Blach)
VÖ ist der 28.09.2007
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